paula p.

Heute sah ich in Mannheim mal wieder Paula Pflaster. In Wirklichkeit heißt sie völlig anders, aber Paula ist wie ein in Schlangengift getunkter Verband. Als ich einmal mit Paula und ihrem Freund T. essen gegangen bin, zischte sie mir ins Ohr mit zugekniffenen Augen: Ich hasse ihn! Aber T. hat Geld, schenkt Paula jedes Jahr eine goldene Kreditkarte und nimmt sie überall auf Reisen mit. T. hatte früher mit Frauen nicht allzu viel Glück. Sie waren alle klug und schön. Wahrscheinlich dachte er bei Paula: Diese will doch sowieso keiner, sie verlässt mich nie. Es wäre alles halb so schlimm, wenn nicht gerade Egon Paulas Chef wäre. Als sie aufgespürt hatte, was Egon und mich verbindet, ist sie von einem Tag auf den anderen meine „beste Freundin“ geworden. Meine angeborene Intuition sagte: vertraue Paula nicht, sie spricht viel zu schlecht über Menschen. Paula hielt alle Frauen für Schlampen, vor allem die erfolgreichen und die schönen, alle seien verdorben, ihren Freund für einen Idiot und Egon… für eine alte französische Edelhure. Paula sagte mir jeden Tag: Ich will nur das Beste für dich! Sie klebte an mir, ich dachte, das Pflaster sei ok, bis sich herausstellte, dass Paula mit raffinierten Schlangentricks ihr gesamtes Gift anwendete, um mein Bild in Egons Augen zu zerstören. Paula hält nicht viel von Egon (er sei nur ihr Chef, sie wolle nur sein Geld), Egon von Paula auch nicht, aber beide können auf sich nicht verzichten, einer benötigt den anderen. Und heute bin ich über Mannheim gefahren, sah Paula Pflaster und dachte: Wie schön, dass mich das Gift nicht mehr bespritzt.

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